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Ausstellungsgestaltung

GRIMMWELT Kassel

POSTED 18. April 2016
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Die Floskel „Es war einmal …“ ist nicht nur der bekannte Prolog eines jeden Grimmschen Märchens, für die Architekten von kadawittfeldarchitektur, Holzer Kobler Architekturen sowie hürlimann+lepp ausstellungen sind es jene magischen Worte, die sie in einem einmaligen Projekt erlebbar machen: Seit September 2015 ist auf einem Weinberg in Kassel das Ausstellungshaus GRIMMWELT mit 1.600 Quadratmetern Fläche eröffnet worden. Damit sind die Bestrebungen des Landes Hessen, einen größeren Ersatz für das Brüder- Grimm-Museum zu finden, nach über zehn Jahren Planungszeit abgeschlossen.

Architektonisch ist die von der documenta-Stadt Kassel in Auftrag gegebene Ausstellung ein Blickfang: Vom Berliner Büro kadawittfelarchitektur konzipiert, ist das Museum auf rudimentären Mauerfragmenten in Form einer Treppenanlage gebaut. Damit nehmen die Architekten die umliegende Topografie des denkmalgeschützten Parks „Wilhelmshöhe“ auf und lassen das Gebäude aus dem Hang zu einem begehbaren Teil der Landschaft werden. Die Dachterrassen ermöglichen den Besuchern dabei einen unglaublichen Ausblick über Kassel. Auch der Innenraum setzt den gestaffelten Aufbau der Architektur in Form von Split-Level-Ebenen fort, die problemlos erreicht werden können. Im Mittelpunkt steht der zentrale, weiß verputze Auftaktraum, über den die verschiedenen Bereiche mit den drei Themenschwerpunkten „Die Welt der Sprache und der Wörter“, „Die Welt der Imaginationen und der Bilder“ sowie „Die Welt der Brüder Grimm“ von den Besuchern erschlossen werden können.

Szenografisch haben Holzer Kobler Architekturen aus Zürich sowie das Gestaltungsbüro hürlimann+lepp aus Berlin die verschiedenen Plattformen in ein Ordnungs- und Orientierungssystem gegliedert, das Begriffen des Grimmschen Hauptwerks – dem „Deutschen Wörterbuch“ – entstammt: „Ärschlein bis Zettel“. Basierend auf dieser Anordnung ergeben sich 25 Ausstellungseinheiten mit unterschiedlichen Formaten. Unter F wie „Froteufel“ zum Beispiel erfahren die Besucher via Wandprojektion aus Text und Bild alles über die Entstehungsgeschichte des Wörterbuchs. Gestalterisch sorgen papierartige Wandscheiben auf der gesamten Ebene dafür, dass auch das Erscheinungsbild einem endlosen Verzeichnis gleicht.
Während sich in den oberen Geschossen die Exponate befinden, bei denen auch inhaltlich das Wörterbuch thematisiert ist, werden Inhalt und Gestaltung in den unteren Etagen nach dem zweiten Hauptwerk bestimmt: den Märchen. Die strenge, registerhafte Einteilung wird durch eine willkürliche Waldstruktur mit diversen Lichtungen aufgebrochen. So gibt es unter D wie „Dornenhecke“ etwa ein begrüntes Kunststoffwalzen-Labyrinth mit roten Lautsprechern, aus denen Märchen ertönen und das damit zu den interaktiven Formaten gehört.

Bereichert wird die Dauerausstellung jedoch vor allem durch das UNESCO-Weltdokumentenerbe: die Original-Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen. Neben den unterschiedlichen Medien- und Interaktionsstationen gibt es zudem künstlerische Beiträge: Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat eigens für die GRIMMWELT die fünffarbige Wurzelinstallation „Colored Roots 2009-2015“ entworfen, die in der „Welt der Imagination und der Bilder“ zu finden ist. Und der österreichische Bildende Künstler Ecke Bonk gestaltete die dreiteilige Mixed-Media-Wand namens „Buch der Wörter“, bei der das gesamte Wörterbuch Wort für Wort projiziert wird – was bei 318.000 Wörtern ganze 100 Tage dauert.

FACTS

Projekt:

GRIMMWELT Kassel

Architektur:

kadawittfeldarchitektur, Aachen (DE) > www.kadawittfeldarchitektur.de

Gestaltung:

Holzer Kobler Architekturen, Berlin (DE) > www.holzerkobler.com

Erscheinungsbild:

Heine/Lenz/Zizka, Berlin/Frankfurt (DE) > www.hlz.de

Kuratorenschaft:

hürlimann + lepp, Berlin (DE) > www.huerlimann-lepp.de

Standort:

GRIMMWELT Kassel, Kassel (DE) > www.grimmwelt.de

Zeitrahmen:

seit September 2015

Auftraggeber:

Stadt Kassel (DE) > www.stadt-kassel.de

Fotos:

Jan Bitter, Berlin (DE) > www.janbitter.de

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