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Film- & Bühnenarchitektur

Black Swan

POSTED 1. März 2011
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So richtig spannend war es ja eigentlich nicht, was sich in der Nacht zu Montag im Kodak Theatre in Los Angeles zugetragen hat: Keine andere als die hoch favorisierte und -schwangere Amerikanerin Natalie Portman gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Und zwar für ihre Rolle als Tänzerin Nina Sayers in dem Psychothriller „Black Swan“. Aber das völlig zu Recht! Denn zusammen mit dem Regisseur Darren Aronofsky ist es ihr gelungen, eine neue, düstere Seite des Balletts aufzuzeigen und bei vielen Kinogängern Gänsehaut zu erzeugen.
Dabei hat die Figur Nina nur einen Traum: Primaballerina zu werden und in der Neuaufführung von Schwanensee die Doppelrolle der Schwanenkönigin zu tanzen. Direktor Thomas sieht in der lieblichen Tänzerin aber zunächst nur die Verkörperung des weißen Schwans. Ihre Darstellung der schwarzen Version ist ihm zu gefühllos. Mit einem erzwungenen Kuss testet er Ninas Temperament und diese reagiert goldrichtig, beißt ihn und bekommt schließlich die Rolle. Ab diesem Moment beginnt die Wandlung der Hauptdarstellerin von der frigiden Perfektionistin zur fanatischen Kämpferin. Und auch im Szenenbild von Thérèse DePrez spiegelt sich diese Metamorphose wunderbar wieder: Das rosa tapezierte Kinderzimmer ist der einzig helle Raum der Wohnung, in der Nina mit ihrer strengen und sie stets kontrollierenden Mutter lebt. Mit einer Spieluhr auf dem Nachttisch und weißer Ornamentik an Bett, Kommode und Spiegeln dient er ihr als Zufluchtsort, vor allem dann wenn sie unter ihren zunehmenden Halluzinationen zu leiden hat. So klein und liebevoll dekoriert steht der Raum deutlich im Kontrast zu den hohen, dunklen und mit zahlreichen Spiegeln behangenen Hallen, in denen die Proben für Schwanensee stattfinden. Die Spiegel sind dabei das wichtigste gestalterische Element, schließlich müssen sich „Tänzer ständig beobachten. Die Beziehung zu ihrer Reflektion ist also ein großer Teil ihrer Persönlichkeit!“, erklärt Regisseur Aronofsky und ist der Meinung: „Filmemacher sind auch fasziniert davon, mit Reflexionen zu spielen. Ich wollte das mit meiner Arbeit auf eine neue Ebene führen.“

Minimalistisches Set Design

Um die gesamte Darstellung sehr minimalistisch zu halten und mit der Intention eine Art Fotorealismus zu erzeugen beschränkte sich die Szenenbildnerin DePrez bei der Auswahl der Set-Farben auf Schattierungen von Schwarz, Weiß und Rosa. Da wirkt es fast schon ein wenig plakativ, dass das Loft des Direktors Thomas ausschließlich in unbunten Farben eingerichtet ist. Mit diesem Spiel von Hell und Dunkel soll wohl auch dem einfältigsten Kinobesucher begreifbar gemacht werden, dass Nina durch die hohen Anforderungen der Rolle hin und her gerissen ist.
Ebenfalls mit der limitierten Farbpalette erarbeitet, aber sehr gelungen, ist die Gestaltung der Opernbühne zur Premiere von Schwanensee: Die Herausforderung war es, ein Bühnenbild zu entwickeln, das dunkel, modern, kantig und vor allem cineastisch sein sollte. Mit Kronleuchtern, Laubwald-Silhouetten und einem großen, schwarzen Polyeder im finalen Akt schafft Thérèse DePrez eine Adaption der klassischen Vorgabe. „Besonders wichtig war es für den Regisseur und mich, dass alles auf der Bühne in Bewegung ist. Wir wollten nichts Ruhendes. Deshalb gibt es in jedem Akt ein Element, das sich bewegt. Bäume, die sich auseinander spreizen, einen aufgehenden Mond im Hintergrund und eine Klippe mit beweglicher Rampe.“, erklärt die Gestalterin, die für ihre Arbeit mit einer Nominierung für das beste Szenenbild bei den BAFTA-Film-Awards 2011 belohnt wurde.
Wer nun vorhaben sollte, sich den prämierten Psychothriller im Kino anzuschauen, dem raten wir auf jeden Fall auf die ausgezeichnete Film- und Bühnenarchitektur an den Stellen zu achten, an denen man sich sonst die Augen zuhält.

FACTS

Projekt:

Black Swan, Szenenbild

Gestaltung:

Thérèse DePrez

Planungsbeteiligte:

Darren Aronofsky (Regie), Andres Heinz & Mark Heyman (Drehbuch), Clint Mansell (Musik), Matthew Libatique (Kamera)

Zeitrahmen:

seit September 2010

Fotos:

Niko Tavernise > www.antwrangler.com
Thérèse DePrez

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